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Micha H. Echt
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MI-SIX Operation Bernsteinzimmer

MI-SIX Operation Bernsteinzimmer
 
03.08.1943, Santander, Spanien

Prinz Max von Hohenlohe-Neuenstein schritt langsam die breite Auffahrt zum berühmten Hotel Real hinauf. Der grobe Kies knirschte unter den glatten Ledersohlen seiner Schuhe. Mit einem Baumwolltaschentuch tupfte er sich den Schweiß von der Stirn. Ihm war heiß, sein Hemd klebte auf der Haut und sein Zweireiher war in keinster Weise die ideale Garderobe für diesen wolkenlosen Tag, aber er war dem Anlass angemessen. Der Prinz zog seine Taschenuhr hervor und warf einen Blick auf das edle Ziffernblatt, seine Gäste sollten in wenigen Minuten eintreffen. Er legte seine gepflegten Hände auf die Brüstung und sah hinunter zur Playa de la Magdalena, dem schönsten Strand im Norden Kantabriens.
Vom Atlantik her wehte salzige Meeresluft herauf und vermischte sich mit dem Duft des Rosengartens. Nichts war mehr zu spüren vom großen Brand, nichts erinnerte mehr an das Flammeninferno des Bürgerkrieges von 1941. Von Hohenlohe-Neuenstein öffnete die Tür zum kleinen Salon und blieb unvermittelt auf der Schwelle stehen. Stuart Menzies war bereits eingetroffen. Der Britische Geheimdienstchef stand mitten im Raum und unterhielt sich mit seinem Begleiter. Der Prinz räusperte sich, klopfte an die bereits geöffnete Tür, setzte seinen Hut ab und ging mit ausgestreckter Hand auf die beiden Engländer zu. "Sir", Prinz Max begrüßte den Chef des britischen MI6 mit einem angedeuteten Kopfnicken und gab dem schmächtigen Protokollanten ebenfalls die Hand. "Ich freue mich, dass Sie die Chance dieses Treffens wahrnehmen möchten. Die anderen Herren werden in wenigen Minuten eintreffen." Zwei Stunden waren seither vergangen.
Max von Hohenlohe-Neuenstein saß im Rosengarten des Hotels und nippte nervös an der eiskalten Limonade. Die Periódico ABC lag ungelesen auf dem Glastisch und seine Füße wippten nervös im Stakkato eines unbekannten Tanzes. Sein Blick wechselte zum tausendsten Mal zwischen seiner Taschenuhr und dem großen Tor der Hotelauffahrt. Aber es passierte nichts, keine Sirene der Policía Municipal durchbrach das leise Rauschen der Palmenblätter, kein auffällig unauffälliges Auto kroch die Auffahrt zum Hotel hinauf. Nichts deutete darauf hin, dass an diesem Nachmittag der Lauf der Geschichte geändert werden sollte. Niemand außer ihm schien zu wissen, welch unglaublicher Vorschlag auf dem Verhandlungstisch lag.

Prinz Max

lehnte sich einen Moment zurück und schloss die Augen. Monatelang war er zwischen Madrid, Istanbul und Berlin hin- und her gereist. Er hatte mit Graf von Moltke und mit Freiherr von Lersner diskutiert und mit Brigadier Torr, dem britischen Militärattaché, in Madrid verhandelt. In Istanbul war er mehrfach mit Roosevelts persönlichem Marineattaché Earl zu Abend essen und in Ankara hatte er zusammen mit dem deutschen Botschafter Franz von Papen die Theater der Stadt besucht. Er war sogar in Rom gewesen, um dem Unternehmen den Rückhalt des Papstes zu sichern. Auf dem Rückweg von Italien war er in Bern mit dem amerikanischen Sonderbeauftragten Allen W. Dulles zusammen getroffen und vor einigen Wochen war er zu Gast bei Henning von Tresckow und Claus Schenk Graf von Stauffenberg gewesen.
 

Von Hohenlohe-Neuenstein

strich sich mit der Hand über die Augen und presste Daumen und Zeigefinger gegen die Nasenwurzel. Er blinzelte in die Sonne. Zu viele Namen, zu viele Orte und zu viel Risiko. Aber ein genialer Plan. Genial, einfach und unmöglich! Ein Plan aus drei simplen Teilen.:

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