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Das Märchen vom Bauern und der Fürstin

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Vor langer, langer Zeit, niemand kann sich genau an die Zeit erinnern, gab es einen Kaiser.
Es war zu einer Zeit als die Sonne noch jeden Tag schien und es in der Nacht regnete. Eine Zeit als die Sommer so warm waren, dass die Kinder jeden Tag baden gingen und die Winter so kalt, dass alles Seen gefroren waren.
Es war eine Zeit, in der sich die Menschen gut verstanden und der Kaiser noch einen Ring aus Sellerie trug.
Unser Kaiser nun stand jeden Tag auf dem Balkon seines Schlosses und lies den Blick weit über sein weites Reich schweifen.
Er drehte an seinem Sellering und freute sich über die glücklichen Untertanen, Soldaten, Bauern, Fürsten und Essenkehrer.
Immer wenn er auf dem Balkon sein Schlosses, mitten in seinem Reich aus Seen und Wäldern stand und an seinem Sellering drehte konnte er genau sehen was gerade passierte.
Eines Tages, wir denken es war ein wunderbarer Frühlingstag, sah der Kaiser in das Reich einer ihm bekannten Fürstin.
Sie war die Herrscherin über ein blühendes kleines Fürstentum inmitten seines großen Kaiserreiches.
Ein Fürstentum welches bekannt war für die Schönheit und Grazie seiner Regentin und für die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft all seiner Bewohner.
Der Kaiser sah wie die Fürstin ihre Kutsche mit den vier goldenen Ringen im Wappen anspannen lies. Die Fürstin nahm in der Kutsche Platz und sagte freundliche zum Kutscher: " Fahre er mich bitte durch meine Dörfer, ich möchte sehen ob alles nach meinem Willen geschieht".
Nun denn, die Pferde waren frisch, der Tag noch jung, also machte sich der Kutscher auf und lenkte die Kutsche in das erste Dorf welches ganz im Süden lag. Gegen Mittag erreichte die Kutsche den kleinen Weiler und die Fürstin stieg aus. Die Sonne stand nahezu im Zenit und die Monarchin schritt im Schatten der Allee die Straße hinunter.
Unter einem Baum am Rande des Ortes machte sie Rast, um danach den Schmied zu besuchen. Auf dem Weg dorthin verbeugten sich die Menschen und auch der Schmied machte eine tiefe Verbeugung als sie zu seiner Schmiede kam.
"Schmied" sagte die Fürstin "zeige er mir seine Kunst". Der Schmied war ein Meister seines Fachs, schürte das Feuer und schmiedete der Fürstin acht Hufeisen für ihre Pferde. Nachdem die Eisen erkaltet waren, zeigte er voller Stolz seine Arbeit. Die Fürstin sah die edle Handwerkskunst und sagte: "Ich sehe er ist ein Meister, ich möchte diese Eisen verschenken, packe er sie bitte in eine Kiste und lade er sie auf meine Kutsche." Mit ernster Mine dankte der Schmied der Fürstin und sagte: "Ich bin stolz das meiner Herrin meine Arbeit gefällt, doch mit Verlaub, das Einpacken und Verladen ist nicht die Aufgabe eines Schmiedes".
Nun war es so, das just in diesem Moment ein armer Bauer auf seinem Esel geritten kam und hörte was der Schmied zu sagen hatte. Wortlos stieg der Bauer von seinem alten Esel, nahm aus einer Satteltasche eine leere Schreinerkiste, polsterte sie innen mit Gras, legte die Hufeisen hinein und hievte die volle Kiste auf das Heck der Kutsche. Der Bauer verbeugte sich freundlich vor der Fürstin, setzte sich lächelnd auf seinen klapperigen Esel und ritt davon.
Erstaunt sah die Fürstin dem Bauern hinterher, sah dem Schmied ins Gesicht und bestieg ohne ein weiteres Wort ihre Kutsche. Als der Schmied sich zum Abschied wieder tief verbeugte sagte sie aus der fahrenden Kutsche heraus: "Ein wahrer Meister ist auch immer ein Meister Höflichkeit, eine Tugend die in meinem Reich besonders wichtig ist".
Am selbigen Tag bereiste die Fürstin ein weiteres Dorf, besuchte einen Stellmacher und erreichte zur Nacht ein Gasthaus mitten im Wald.
Der Wirt war erfreut seine Herrin zu sehen, ja sogar beherbergen zu dürfen. Er gab ihr sein bestes Zimmer, frisches Wasser und sogar Blumen auf den Tisch. Seine Frau, eine erfahrene Köchin, bereitete der hohen Herrin ein gutes Abendmahl und brachte ihr vom besten Roten den der Keller zu bieten hatte. Die Fürstin war vom Gasthof wirklich angetan und rief nach dem Frühstück am Morgen den Wirt zu sich an den Tisch. "Wirt" sagte sie zu ihm" du führst ein friedliches Haus mit guten Speisen, du wirst noch viele zufriedene Gäste haben." Sie zahlte großzügig für Bett und Speisen und bat den Wirt dem Kutscher zu helfen die Pferde anzuspannen, denn sie wollte ihre Reise fortsetzen.
Der Wirt sah zu ihr auf und sagte: "Ich bin stolz das meiner Herrin mein Haus gefällt, doch mit Verlaub, das Anspannen ist nicht die Aufgabe eines Wirtes."
Nun war es so, das der arme Bauer mit seinem Esel im Pferdestall des Gasthauses geschlafen hatte und so hörte, was der Wirt zur Fürstin sagte. Wortlos nahm der Bauer die Pferde am Zügel, führte sie zur Kutsche und wartete bis der Kutscher beide edlen Rösser eingespannt hatte.
Der Bauer verbeugte sich freundlich vor der Fürstin, setzte sich lächelnd auf seinen klapperigen Esel und ritt davon.
Wiederum verwundert sah die Fürstin dem Bauern hinterher, sah dem Wirt ins Gesicht und bestieg ohne ein weiteres Wort ihre Kutsche. Als der Wirt sich zum Abschied wieder tief verbeugte sagte sie aus der fahrenden Kutsche heraus: "Ein wahrer Wirt ist auch immer ein Meister der Hilfsbereitschaft, eine Tugend die in meinem Reich besonders wichtig ist ". Nun, auch der neue Tag war sonnig und frisch, die Fürstin fuhr mit ihrer Kutsche durch reich bestellte Felder, durch grüne Wälder, besuchte eine Köhlerhütte im Wald und erreichte zum Mittag eine auf einem Hügel stehende Mühle.
Im Schatten der Mühle machte die Fürstin Rast, nahm ein leichtes Mittag ein und erfreute sich am Klappern der Mühle die sich mühelos im Winde drehte. Kurz entschlossen ging die Fürstin zur Müller hinauf. Dieser hatte natürlich die Kutsche und seine Herrin gesehen und verbeugte sich tief als seine Herrin zu ihm in die Mühle kam.
"Müller" sagte die Fürstin "zeige er mir seine Kunst". Der Müller nun war auch ein Meister seines Fachs, er legte die Riemen auf das Getriebe und lies den Mühlstein drehen. Er mahlte der Fürstin ein besonders gesundes dunkles Korn und zeigte voller Stolz seine Arbeit. Die Fürstin roch das frisch gemahlene Mehl und sagte: "Ich sehe er ist ein Meister, ich möchte diese Mehl verschenken, fülle er es bitte in eine Sack und lade er alles auf meine Kutsche." Mit würdiger Mine dankte der Müller der Fürstin und sagte: "Ich bin stolz das meiner Herrin meine Arbeit gefällt, doch mit Verlaub, das Einpacken und Verladen ist nicht die Aufgabe eines Müllers".
Nun war es wiederum so, das just in diesem Moment der arme Bauer auf seinem langsamen Esel ebenfalls die Mühle erreichte und hörte was der Schmied zu sagen hatte. Wortlos stieg der Bauer wieder von seinem Esel, nahm aus einer Satteltasche leere Jutesäcke, füllte das frisch gemahlene Mehl hinein, band die Säcke zu und hievte Beide auf das Heck der Kutsche. Der Bauer verbeugte sich freundlich vor der Fürstin, setzte sich lächelnd auf seinen dünnbeinigen Esel und ritt davon. Die Fürstin sah verwundert dem Bauern zum dritten mal hinterher, sah dem Müller ins Gesicht und bestieg ohne ein weiteres Wort ihre Kutsche.
Als der Müller sich zum Abschied wieder tief verbeugte sagte sie aus der fahrenden Kutsche heraus: "Ein wahrer Müller ist auch immer ein Meister der Dienstbarkeit, eine Tugend die in meinem Reich besonders wichtig ist". Als die Fürstin am Abend ihr Schloß erreichte hatte sie schöne Dörfer, fleißige Menschen, geschickte Handwerker und Meister, aber auch fehlende Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft gesehen. Sie war stolz auf ihr Volk, aber auch traurig darüber dass nicht alle Meister der Höflichkeit waren.
Nun, einige Zeit später, unser Kaiser stand wieder auf dem Balkon seines Schlosses, drehte an seinem Sellering und schaute in die Ferne.
Der Kaiser sah wie sich die Fürstin wiederum anschickte eine Reise zu machen. Dieses mal lies sie Geschenke einpacken, Kisten und Koffer für eine lange Reise vorbereiten und sie nahm ihren Finanzkanzler mit zu sich in die Kutsche. Der Kaiser konnte sehen wie sich die Fürstin am Meer in ein großes buntes Schiff begab um von dort die nördlichsten Regionen der ihr bekannten Welt zu bereisen.
Auf ihrer Reise durch die nordischen Länder begegnete sie vielen kleinen und großen Fürsten, war zu Gast in manch schöner Kaufmannsstadt, bereiste Fjorde und Inseln und tanzte auf manchem Ball in Ihrem schönsten Kleid. Die schöne Fürstin war stets gut gelaunt und wurde überall wegen ihrer Freundlichkeit gern gesehen.
Nun begab es sich, dass die schöne Fürstin nicht nur Regenten und Kapitäne kennenlernte, sondern in den nördlichen Landen manch Bauern, Handwerksmeister, Troll, Wichtel, Zwerg und gar einer Meerjungfrau begegnete.
Dort wo es der Fürstin besonders gefiel verweilte sie gern einige Stunden, bewunderte die Handwerkskunst des Nordens, brachte dem einen oder anderen Herrscher ein Gastgeschenk und erhielt von Königen und Fürsten, von Elfen und Trollen wertvolle Geschenke.
Nach einiger Zeit machte sie sich wieder auf den Weg zurück zu ihrem Schloß. Sie tanzte noch einmal mit dem Kapitän, ja sogar mit ihrem Finanzkanzler auf dem bunten Schiff und freute sich darauf wieder zurück nach Hause zu kommen.
Zurück in ihrem Schloss betrachtete sie ihre Mitbringsel und lies viel davon zur Zierde des Schlosses aufstellen. So manches Geschenk jedoch wollte die Fürstin an ihr Volk weitergeben.
So hatte sie einen kleinen Blasebalg von einem Troll erhalten und der Troll hatte ihr gesagt:
"Wer diesen Blasebalg in einer klaren Vollmondnacht auf einer Wiese zu einem Haufen Kohlen legt und dafür sorgt das niemand ihn dabei beobachtet, der wird ein Wunder erleben."
Die Fürstin dachte natürlich an ihren Schmiedemeister, aber auch der arme Bauer fiel ihr ein.
Zu ihrer eigenen Verwunderung hörte sie sich rufen: "Bringt mir den armen Bauern mit seinem alten Esel auf mein Schloss". Sie schenkte dem Bauern den Blasebalg, erzählte ihm, was ihr der Troll gesagt und schickte ihn zurück auf seinen Hof.
Auf ihrer Reise begegnete die schöne Fürstin auch einem großen Müller, der Müller war als Riese im nordischen Reich bekannt. Er hatte eine riesenhafte Mühle welche Tag und Nacht Korn zu feinstem Mehl machte und die Mühle hatte einen Mühlenkobold. Dieser Kobold schenkte der Fürstin zum Abschied einen kleines Säckchen Mehl und gab der Fürstin folgende Worte mit auf den Weg:
"Wer dieses Säckchen Mehl in einer klaren Vollmondnacht auf einer Wiese zu einem Bund Getreide legt und dafür sorgt das niemand ihn dabei beobachtet, der wird ein Wunder erleben."
Die Fürstin dachte an den vortrefflichen Müllermeister ihres Reiches, aber sie dachte auch noch einmal an den netten Bauern. Zu ihrer eigenen Verwunderung hörte sie sich wiederum rufen: "Bringt mir den armen Bauern mit seinem alten Esel auf mein Schloss". Sie schenkte dem Bauern das Säckchen Mehl, erzählte ihm was ihr der Kobold ihr mit auf den Weg gegeben hatte und schickte ihn wiederum zurück auf seinen Hof.
Von einem reichen König, bei welchem sie einige Tage verweilte, hatte sie ein rabenschwarzes Hufeisen bekommen. Der König hatte zu Fürstin gesagt: "Wer dieses Eisen in einer klaren Vollmondnacht auf einer Wiese zu einer Garbe Heu legt und dafür sorgt das niemand ihn dabei beobachtet, der wird ein Wunder erleben."
Die Fürstin dachte an einen Pferdezüchter ihres Reiches, sie dachte an den Wirt des Gasthauses im Walde, aber auch der hilfsbereite Bauer fiel ihr wieder ein.
Zu ihrer eigenen Verwunderung hörte sie sich ein drittes Mal rufen: "Bringt mir den armen Bauern mit seinem alten Esel auf mein Schloss". Sie schenkte dem Bauern das Hufeisen, erzählte ihm was ihr der König ihr aufgetragen und schickte ihn wiederum zurück auf seinen Hof.
Nun dauerte es gar nicht lang und die nächste Vollmondnacht rückte heran.
Der arme Bauer hatte eine kleine Wiese und die drei Geschenke seiner fürstlichen Herrin. Er ging zum späten Abend drei mal um seine Wiese herum, schaute, dass niemand ihn sah und legte den Blasebalg auf einen kleines Häufchen Kohle, das Säckchen Mehl auf ein Bund Getreide und das schwarze Hufeisen auf eine Heugarbe. Seine drei Esel band der in einer Ecke seiner Wiese fest damit sie nicht das Heu und das Getreide fraßen.
Der Bauer umrundete noch drei mal die Wiese, konnte niemanden entdecken und legte sich in seiner bescheidene Hütte zum Schlafen.
Am nächsten Morgen kam der Bauer zurück auf seine Wiese.
Auch der Kaiser stand an diesem Morgen auf seinem Balkon, drehte an seinem Sellering und schaute über sein Reich. Im Land der schönen Fürstin sah er Erstaunliches. Auf der Wiese von einem armen Bauern, da wo sonst nur 3 klapperige Esel standen sah er drei edle Rösser stehen. Der Kaiser sah, dass sich eine neue Mühle drehte obwohl gar kein Wind wehte und neben der Mühle rauchte die Esse einer Schmiede.
Der Bauer traute seinen Augen kaum, über Nacht hatten sich seine Esel zu edlen Rössern gewandelt. Aus dem Säckchen Mehl war eine Mühle entstanden, bei welcher sich ohne Wind die Flügel drehten und auf seiner Wiese stand eine Schmiede, welche ganz von selbst den Blasebalg des Schmiedefeuers bediente. Da der Bauer nicht nur ein freundlicher sondern auch ein fleißiger Mann war, spannte er die Rösser ein und bestellte seinen Acker. Er holte sich Hilfe, einen Knecht, einen Schmiedegesellen und einen Müller. Er trug ihnen auf fleißig zu sein und jedem, der zu ihnen kam, mit einem freundlichen Wort zu begegnen.
Der Bauer sagte:" Ein jeder der etwas kaufen möchte soll immer einen Scheffel mehr bekommen, dazu eine Priese Freundlichkeit und ein Lächeln obendrein."
Mit diesen Worten drehte der Bauer sich um und machte sich auf den Weg zum Schloß der schönen Fürstin. Er ging um seiner Herrin zu danken. Die Fürstin war erfreut über die Dankbarkeit, lud den Bauern zum Mittagsmahl und sagte zu ihm: "Der wahre Reichtum entsteht aus Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, wenn alle meine Untertanen nett zueinander sind werden wir alle noch viele Jahre glücklich sein."
Die Regentin sah, dass sich der Bauer vom Ertrag seiner neuen Arbeit gute Kleider gekauft, den Barbier besucht und sich eine bescheidene Kutsche zugelegt hatte.
Kurzum, vom kleinen armen Bauern war nicht mehr viel zu sehen, statt dessen war ein starker , gut aussehender Mann in den besten Jahren zu ihr ins Schloss gekommen. Angetan von seiner dunklen Stimme, den netten Dankesworten und von seinen nunmehr strahlend blauen Augen lud sie den Bauern, den Schmied, den Müller oder einfach nur den Mann ein, noch zum Abendessen auf dem Schloß zu verweilen.
Eine große Tafel wurde aufgestellt, ein kleines Fest gerichtet, die Schlossküche bereitete einen großen Braten, der Musikus unterhielt die Gäste und der gute Mann durfte sogar mit seiner Fürstin tanzen. Am frühen Morgen erst fuhr der Bauer mit seiner Kutsche zurück in sein Dorf. Die Fürstin aber hatte ihn bereits wieder für die nächste Nacht auf das Schloß geladen und so kam es, dass der Bauer nunmehr jede Woche seine Kutsche hinauf zum Schloß seiner Fürstin lenkte um dort mit ihr die ganze Nacht zu tanzen.
Ein Jahr später blickte der Kaiser wieder in das Reich der Fürstin. Er sah den nunmehr reichen Bauern, der in einer Person
zugleich auch Müller, Schmied und Geliebter der Fürstin war. Der Kaiser sah den Bauern jede Nacht mit der Fürstin im Schloß tanzen und wenn sie nicht gestorben sind, so tanzen sie noch heute.
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